Obwohl heute die genetische Ursache (Genese) der AHC bekannt ist und das dadurch veränderte Eiweißmolekül erforscht wird, ist ein Großteil der krankhaften Abläufe im Körper (Pathophysiologie) der AHC noch ungeklärt. Es handelt sich dennoch um ein wohldefiniertes und klinisch eindrucksvolles Syndrom. Die von den Erstbeschreibern geschilderten Symptome wurden durch Aicardi und Mitarbeiter bestätigt und in der Literatur als typische Charakteristika verankert. Wenn bedingt durch diese klinischen Symptome der Verdacht auf eine AHC gestellt wird, kann eine genetische Untersuchung meistens Klarheit bringen.
Die Symptome sollen nun möglichst umfassend beschrieben werden, wobei zu beachten ist, dass natürlich nicht jedes Kind alle geschilderten Symptome aufweisen muss und die verschiedensten Kombinationen möglich sind.
- Ein Hauptmerkmal der AHC ist der Beginn dieser Erkrankung vor dem 18. Lebensmonat.
- Die frühesten Symptome sind oft anfallsartig erscheinende Störungen der Augenbewegungen (intermittierende okulomotorische Attacken), wie Augenzittern (Nystagmus), starre Blickwendung nach einer Richtung (Blickdeviation) oder Schielen (Strabismus). Das Augenzittern kann sowohl zur Seite, nach oben und unten als auch drehend erscheinen (Nystagmus mit horizontaler, vertikaler als auch rotatorischer Komponente) und kann sich sowohl auf einem Auge als auch auf beiden Augen (monokular oder auch binokular) manifestieren. Ebenso inkonstant ist das Verhalten des Schielens (Strabismus); Stand der Augen oder des Auges zur Nase (Konvergenzstand) und Stand zur Seite/Schläfe (Divergenzstand) sind ein- oder beidäugig (mon- oder binokular) möglich und das Erscheinungsbild wechselt von Attacke zu Attacke, ohne ein einheitliches Muster erkennen zu lassen.
- Häufig treten anfallsartig erscheinende bizarre und unwillkürliche Körperhaltungen oder Bewegungsabläufe (dystone Bewegungsstörungen) auf, die durch steife (tonische) Streckung der Extremitäten einer Körperhälfte, Kopfdrehung in gleicher Richtung und oft die schon oben beschriebene Blickwendung (Blickdeviation) gekennzeichnet sind. Dabei kommt es zu ausfahrenden unkontrollierten Bewegungen vorwiegend der Arme und überstreckter (opisthotoner) Haltung (die Kinder sehen aus wie ein „Flitzbogen“, der Kopf ist nach hinten überstreckt, der Rücken durchgedrückt). Unkontrollierte Mundbewegungen (orale Automatismen), wie Schmatz- und Kaubewegungen, wurden mitunter ebenfalls beobachtet. Auch Störungen der vegetativen Regulationen, wie Speichelfluss (Hypersalivation) und Pupillenerweiterung (Mydriasis) wurden beschrieben.Anmerkung: Das sogenannte vegetative Nervensystem steuert alle nicht willkürlich beeinflussbaren Körperfunktionen, wie z.B. Herzschlagfrequenz, Pupillenweite, Darmbewegungen (Peristaltik), Drüsensekretion (Speichel, Schweiß,…), u. a.Diese anfallsartig erscheinenden Phänomene (Paroxysmen) treten in der Regel ohne Vorankündigung auf und variieren in ihrer Dauer von wenigen Minuten bis mehreren Stunden. Die Kinder zeigen in solchen Episoden zum Teil keine Reaktion auf ihre Umwelt, weinen, schreien oder erscheinen sehr ängstlich.
- Wenn auch die Dauer und Frequenz dieser Episoden außerordentlich variieren, so erkennt man doch in der Mehrzahl der Fälle bereits frühzeitig eine Entwicklungsverzögerung der Kinder und eine auffallende Schlaffheit (Hypotonie). Viele Kinder erscheinen zwischen diesen Phasen sehr ruhig, bei anderen wurden ADHS-ähnliche Symptome diagnostiziert.
Die geschilderte Symptomatik lässt zu Beginn der Erkrankung im Säuglingsalter oft an andere Krankheitsbilder denken. So lautet der erste Verdacht häufig „Epilepsie“ (Anfallsleiden) oder „floppy-infant-Syndrom“(Gummipuppenphänomen), „benigne paroxysmale Dystonie“ (gutartige anfallsartige Bewegungsstörung) oder „zentrale Koordinationsstörung“ (vom Gehirn ausgehende Störung der Bewegungsabläufe).
- In unterschiedlichem Alter, gewöhnlich aber vor dem 18. Lebensmonat, treten dann die ersten, für diese Erkrankung typischen, zeitweiligen halbseitigen Lähmungen (Hemiplegien) auf und erleichtern jetzt die Diagnosestellung. Diese hemiplegischen Phasen gewinnen dann im weiteren Krankheitsverlauf häufig die Oberhand; die isolierten dystonen Attacken (s. o.) können in den Hintergrund treten. Charakteristisch ist das Wechseln der betroffenen Seite, so dass oft keine Aussage darüber möglich ist, ob die Attacken eine Körperhälfte bevorzugen. Auch hier sind Dauer und Frequenz der geschilderten Episoden sehr unterschiedlich, sowohl bei einem Patienten selbst als auch im Vergleich der Kinder untereinander. Nur selten lässt sich andeutungsweise ein Rhythmus erkennen.
Die Hemiplegien können mitunter Minuten, Stunden, Tage bis mehrere Wochen anhalten, verschwinden aber typischerweise immer im Schlaf, so dass die Kinder nach dem Erwachen kurzzeitig ohne Symptome sind. Nach wenigen Minuten, manchmal auch erst nach längerer Zeit, setzt sich die Episode dann fort, und die Lähmung (Plegie) bildet sich wieder aus. Mitunter ist die Episode nach dem Schlaf aber auch gänzlich beendet.
Gelegentlich geht eine Attacke auch in die andere über, so dass sich an eine Lähmungsphase einer Körperhälfte die der anderen anschließt, ohne dass dazwischen ein symptomfreies Intervall existierte. An solchen Übergängen, gelegentlich auch völlig unabhängig davon, können sich doppelseitige Halbseitenlähmungen ausbilden, so dass die Kinder praktisch vollständig gelähmt (tetraplegisch) sind. Da bei der Lähmung auch die Gesichts-, Mund-, und Schlundmuskulatur (faciale und oropharyngeale Muskulatur) betroffen sind, kann bei solchen Ganzkörperlähmungen die Ernährung der Kinder zum Problem werden, da Kauen und Schlucken nahezu unmöglich sind. Gelegentlich zeigen sich hierbei auch Atemstörungen bis zu Aussetzern (Apnoen), die für das Kind bedrohlich werden können und sogar mitunter intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich machen. Prinzipiell besteht auch die Gefahr des Verschluckens (Aspiration).
Der Spannungszustand der Muskulatur (Muskeltonus) bei den Halbseitenlähmungen wechselt innerhalb sehr kurzer Zeit zwischen absolut schlaffer Lähmung und übermäßiger Muskelanspannung bis zur zeitweisen Versteifung der Gliedmaßen oder Fixation eines Gelenkes in einer Stellung (hypertone Spannungslage bis hin zur kurzzeitigen spastischen Kontraktur). Einschießende Spastiken und Dystonien können sehr schmerzhaft sein. Dagegen sind die Kinder während der Ganzkörperlähmung (tetraplegischen Phase) anfangs oft völlig schlaff oder auch steif wie ein Brett. Die Beeinträchtigung der Kinder während einer Hemiplegie ist entsprechend der oben geschilderten Variabilität der Ausbildung sehr unterschiedlich und lässt sich auch zu Beginn einer Lähmungsphase nicht abschätzen. - Mit zunehmendem Alter der Patienten erkennt man deutlicher die Verzögerung der geistigen Entwicklung (mentale Retardierung). Häufig zeigen sich dann auch konstante – also auch im lähmungsfreien Intervall bestehenbleibende – neurologische Störungen, wie Choreoathetosen (überschießende wurm- oder schraubenartige Bewegungen), Dystonien (gestörter Spannungszustand der Muskulatur mit atypischen Bewegungsmustern oder Haltungen) oder Ataxie (Störung der Koordination von Bewegungsabläufen; z.B. Gangstörungen, Störungen der Feinmotorik, Artikulationsstörungen). Oft entwickeln sich überschießende Sehnenreflexe (gesteigerte Muskeleigenreflexe), mitunter Kloni (schüttelnde Bewegung als Antwort auf eine bestimmte neurologische Untersuchungstechnik – z.B. am Fuß – als Zeichen gesteigerter bzw. gestörter Reflexität).
- Ein erheblicher Teil der Kinder leidet ebenfalls an einer Epilepsie. Diese kann zu unterschiedlichsten Zeitpunkten im Krankheitsverlauf dazukommen und mit allen für Epilepsie bekannten möglichen Komplikationen einhergehen.